13 todsichere Möglichkeiten, der unbeliebteste Spieler auf dem Platz zu werden:


Sport ist die Jagd nach Leistung und Rekorden, doch - nicht jeder kann gewinnen. Dem Sieger der Ruhm, dem Zweiten ein Grabstein aus Seife. Besitzt nicht aber das Leben die wunderbare Fähigkeit, sich Nischen zu erschließen? Warum nicht nach neuen Weidegründen Ausschau halten? Wenn man schon nicht der Beste sein kann, warum dann nicht der Unbeliebteste werden? Hier kommen 13 sichere Methoden, dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen:

 

- Bei der Vergabe der Spielpositionen drängen sie sich stets in das Tireuramt. Sorgen sie sich dabei nur nicht um mangelnde Fähigkeiten, denn im Spiel werden sie ohnehin keine der gelegten Kugeln für Wert erachten, überhaupt durch einen ihrer „kostbaren Schüsse“ beseitigt zu werden.

 

- Spielen sie als Leger, verlangen sie von ihrem Schützen, jede noch so vergurkte Kugel anzugreifen. Bei dessen Weigerung verdrehen sie zur Geißelung solcher Amateurhaftigkeit kopfschüttelnd die Augen und behaupten, in Frankreich würde eine solche Kugel auf jeden Fall geschossen werden.

 

- Bei Turnieren ist der Koffer mit ihren Siegeszigarren grundsätzlich um einiges voluminöser als die Tasche mit ihren Bouleutensilien. Ihre Gegner bringen sie zur Weißglut, indem sie besagte Siegeszigarren grundsätzlich vor der Partie entzünden.

 

- Nach errungenen Siegen scheuen sie sich bitte nicht, auch langgediente Veteranen ausgiebig und ungefragt mit „nützlichen Tipps“ aus ihrem Erfahrungsschatz zu versorgen.

 

- Steht die Neugestaltung der Trikots an, dann überreden sie doch einmal ihre Mannschaft zu prägnanten Beflockungen, wie etwa: „Seht und lernt!

 

- Nehmen sie beim Super-Mêlée Abstand von Heuchelei und Höflichkeitsfloskeln. Begrüßen sie nach der Auslosung stattdessen ihre Spielpartner mit einem ebenso herzlichen wie ehrlichen: „Hast Du ein Glück, also verkack es jetzt nur nicht!

 

- Wenn in Konventionen erstarrte Gegner bei Spielbeginn „ein schönes Spiel“ wünschen, blicken sie nur düster wie Clint Eastwood und entgegnen ein einziges Wort: „Rennt!“

 

- Siege über unbekannte Gegner sind DIE Gelegenheit, ihren Ruf zu zementieren. Man bekommt keine zweite Chance, einen schlechten ersten Eindruck zu hinterlassen: Sagen sie, sie seien eigentlich Linkshänder, hätten nur heute aufgrund muskulärer Probleme mit rechts gespielt und wären ohnehin nur als absoluter Neuling für einen erfahrenen Spieler eingesprungen, der kurzfristig hatte absagen müssen.

 

- Sparen sie nach einer gewonnenen Partie auch bei erfahrenen Gegnern niemals mit Trost. Ein beherztes „Nicht so schlimm, schließlich hat ja jeder mal angefangen“, wird viel zu ihrem Ansehen beitragen.

 

- Nach eigenen Niederlagen weisen sie die Sieger unverzüglich darauf hin, wie glücklich diese sich schätzen dürfen, gegen jede statistische Wahrscheinlichkeit durch reines Glück diesen Erfolg erzielt zu haben.

 

- Bei Misserfolgen führen sie an, dass sie unmöglich damit hatten rechnen können, in diesem Spielerumfeld überhaupt nennenswert gefordert zu werden; oder sie lamentieren darüber, wie übermenschlich schwer es doch sei, nach einer schier endlosen Serie gewonnener Partien sich überhaupt noch aufraffen zu können.

 

- Machen sie es sich zu Angewohnheit, ausnahmslos jede Aktion, und sei sie auch noch so banal, mit einem Kommentar zu versehen. Ihre Mitspieler werden stete Hilfestellungen wie: „Die ist durch“ oder „Zu weit links“ sicher mit dem „gebührenden“ Dank gerne annehmen.

 

- Im Kreis stehend empfinden sie ein fanatisches Ruhebedürfnis und verbitten sich schon das infernalisch laute Kugelgeputze mit weichen Baumwolllappen. Gerade nicht an der Reihe, bemessen sie hingegen „rücksichtsvollerweise“ ihre Redelautstärke so, dass auch die entferntest spielenden Akteure noch in den Genuss der rund drei Bonmots kommen, mit denen sie ihre Mitspieler bereits seit Jahrzehnten zu „unterhalten“ pflegen.

 

Wahrer Sport bedeutet, Dinge zu tun, die andere nicht fertigbringen. Gehen sie den ersten Schritt auf einem Weg, der wirklichen Ruhm verspricht, denn schließlich: Ist das, was die Menschen am zuverlässigsten miteinander teilen, nicht stets ihre gegenseitige Abneigung?

 

Thorsten


Bild von tasukaran auf Pixabay